Aber dem, was momentan in unserem Land, in der ganzen Welt abgeht, kann ich nur mit Fassungslosigkeit begegnen. Wir begehen Suizid aus Angst vor dem Tod.

Ich will die Coronagrippe nicht klein reden. An einer Corona-Infektion zu erkranken ist gefährlich, aber es war auch schon gefährlich an Influenza zu erkranken, nur ist uns diese Influenza kaum im kollektiven Bewusstsein - ausgenommen es gibt wieder mal eine Grippeimpfung (und damit etwas zu verdienen). Prinzipiell sind Coronagrippe und Influenza vom epidemiologischen Standpunkt aus vergleichbare Epidemien/Pandemien. Wir gehen nur völlig unterschiedlich damit um. Und das macht uns die wirklichen Probleme.

Ich weiß, dass ich mich damit auf ziemliches Glatteis bewege. Kritisch hinterfragende Stimmen sind angesichts der Massenpanik nicht wirklich gewollt und werden schnell in irgendwelche Ecken ausgegrenzt.

Schauen wir uns mal die Fakten an:


Vorab: Ich bin kein Fachmann, auch wenn ich über basales medizinisches Fachwissen verfüge und den Gesundheitsbetrieb von innen kenne. So mögen in meiner Aufarbeitung einige Lücken sein, an denen sich mancher abarbeiten mag, aber es geht mir um meine grundsätzlichen Zweifel, ob das, was wir gerade tun, so richtig ist.

Und ich halte mich durchaus auch an die Auflagen, denn Social Distancing ist sinnvoll - auch bei einer normalen Grippewelle. Aber das, was darüber hinaus passiert ist mehr als zweifelhaft. Es wird unsere Gesellschaft ruinieren.


Virusklassifikation

Die Corona-Grippe ist eine (möglicherweise ebenfalls saisonale) Grippe wie jede andere auch - es ist halt nur keine Influenza. Das verursachende Virus ist eine neue Subspezies der Grippeviren. Die vergangenen Grippeepidemien waren durch Influenza A (H1N1 u.a.), B, C oder D verursacht, hinter der aktuellen steht SARS-Cov-2.

Ob das Virus zu einer veränderten Klassifikation und einer möglicherweise eigenständigen Grippe-Erkrankung berechtigt, ist eine müßige Diskussion, weil das weder wesentliche diagnostische, therapeutische oder epidemiologische Konsequenzen hat.


Epidemiologischer Vergleich

Das Corona-Virus wird als infektiöser eingeschätzt als das Influenza-Virus. Da die Datenlage völlig unzureichend ist und es überhaupt keine belastbaren Vergleichszahlen gibt, ist das lediglich eine Vermutung und kein Fakt.

Das Corona-Virus hat eine Inkubationszeit von 14-18 Tagen gegenüber 3-6 Tagen beim Influenza-Virus. Dadurch kann das Virus über längere Zeit durch noch unsymptomatische, d.h. noch nicht erkrankte Personen weitergegeben werden. Das epidemiologische Problem könnte eine angeblich explosive Zunahme der Fallzahlen sein (Prof. Wieler/RKI sprach dieser Tage von einem abflachenden exponentiellen Wachstum, was an sich schon eine mathematische Unmöglichkeit ist). Allerdings haben die erfassten Fallzahlen nichts mit der tatsächlich Durchseuchung der Bevölkerung zu tun. Es mangelt an validen Vergleichsdaten (ein vergleichbares Monitoring findet bei Influenza-Epidemien nämlich nicht statt) und der Anstieg der positiv getesteten Fälle sagt diesbezüglich gar nichts aus, weil diese Zahl nicht den Anstieg der Erkrankungsfälle abbildet, sondern den Anstieg des positiv getesteten Ausschnittes der Bevölkerung. Mehr nicht.

Die Corona-Grippe soll im Regelfall milder verlaufen als die Influenza-Grippe, die Zahl schwer Erkrankter soll vergleichsweise gering sein, allerdings sollen stark symptomatische Patienten deutlich schwerer erkranken. Warum es bei schwer Corona-Erkrankten zu der hohen Zahl an beatmungspflichtigen Patienten kommt, ist unklar - eigentlich siedelt das Corona-Virus im Ggs. zum Infuenza-Virus bevorzugt im Nasen-Rachen-Raum.

Eine weitere Unterscheidung gibt es hinsichtlich des saisonalen Verlaufs: Die Influenza-Periode beginnt im Oktober und erreicht dann von Dezember bis etwa März/April eine größere Präsenz - das ist beim Corona-Virus vermutlich nicht viel anders. Das Corona-Virus tauchte erstmals womöglich im Dezember 2019 auf, wann die epidemiologisch relevante Periode beendet sein wird, ist im Moment unklar. "Womöglich" deshalb, weil die Vermutung aufgetaucht ist, dass die Grippe in Italien, die im Oktober 2019 grassierte, bereits eine Corona-Grippe gewesen sein könnte. Mehr dazu unten.


Statistische Erfassung und mediale Aufbereitung

Die statistische Erfassung der Fallzahlen ist falsch oder zumindest lückenhaft, sowohl was die Aufbereitung in den Diagrammen der Johns Hopkins-Universität angeht wie auch bezüglich der Zahlen des RKI. Woher die Johns Hopkins-Universität ihre Daten nimmt, erschließt sich in aller Tiefe, aber im Grundsatz differieren die Daten auch nicht wirklich.

Das RKI liefert lückenhafte Daten und die noch verspätet, dies ist eine Folge ausgebliebener Investitionen in die Digitalisierung der Meldeprozesse. Die Erfassung durch das RKI ist daher aus technischen Gründen nicht zeitaktuell, daher die irritierenden Nachmeldungen in den Statistiken. Grundsätzlich wird aber ohnehin nur ein Teil der infizierten, erkrankten und verstorbenen Personen erfasst.

Die Erfassung von mit Corona infizierten Personen beruht auf einem PCR-Test, der konzeptionell eine hohe Fehlerrate aufweist. Der Test erfasst neben der prinzipbedingt hohen Fehlerrate wahrscheinlich auch bisherige Coronaviren, die Teil der jährlichen (und aktuellen) Erkältungs- und Grippewelle sind, und nicht nur SARS-Cov-2. Zudem handelt es sich bei den aktuell verwendeten Tests um nicht validierte PCR-Tests, die im Normalfall nicht entsprechend Medizinproduktegesetz zugelassen worden wären. Die Zulassung erfolgte lediglich aufgrund einer Ausnahmegenehmigung.

Die einzig wirklich validen Daten, die wir haben, kommen von der MS Diamond Princess, da hier die Population sozusagen von Anfang an komplett isoliert wurde und das daher eine abgeschlossene Gruppe war. Hier waren von 3600 Passagieren und Besatzungsmitgliedern 700 erkrankt, davon 32 kritisch, 6 verstarben. Alle Betroffenen wurden getestet. Wieviele davon positiv oder negativ getestet wurden und wieviele davon beatmungspflichtig waren, konnte ich nicht eruieren. Auf der MS Diamond Princess hatten wir eine Risikopopulation mit einem Durchschnittsalter von > 70, zusätzlich kann man davon ausgehen, dass die Klimaanlage des Schiffs zumindest einen Teil der Viruslast im Schiff verteilt hat - das muss bei der Bewertung der Fallzahlen berücksichtigt werden. Insofern war das eigentlich eine optimale Situation für eine Virusverbreitung. Trotzdem waren von 3600 nur 700 Personen erkrankt.

Blicken wir auf die Situation außerhalb dieser abgeschlossenen Situation: Ob sich die Corona-Pandemie am Ende statistisch in den Sterbestatistiken überhaupt auswirken wird, kann im Moment bezweifelt werden. Der neuste europäische Monitoringbericht zur Gesamtsterblichkeit vom 26. März zeigt weiterhin in allen Ländern und allen Altersgruppen normale oder unterdurchschnittliche Werte - auch in Italien.


Statistische Aufbereitung

Sterbezahlen in den Statistiken

Erfasst werden durch RKI und Johns Hopkins Universität die Verstorbenen, bei denen vor oder nach dem Tod das Corona-Virus nachgewiesen wurden und nicht die Patienten, die tatsächlich an Corona gestorben sind. Es ist aber ein eklatanter Unterschied, ob jemand an oder mit Corona gestorben ist. Auch ein Jörn Kubicki, der Partner von Klaus Wowereit, ist nicht an Corona gestorben, sondern an einer langjährigen schweren Lungenerkrankung (COPD). Corona war da nur ein Sekundärbefund.

In den Sterbezahlen ist die ältere und multimorbide Bevölkerung deutlich überrepräsentiert. Multimorbide sterben oft an ihren Primärerkrankungen und nicht an Corona. Die Corona-Infektion ist hier nur der letzte Anstoß für den Tod. Das zeigt sich auch bei der Mehrzahl der Verstorbenen in Italien - hier liegt das durchschnittliche Alter der Verstorbenen bei 81 Jahren. Diese Patientengruppe müsste, soweit es sich um multimorbide Patienten handelt, eigentlich aus der Statistik herausgerechnet werden, denn sie sind nicht an Corona gestorben, sondern die Corona-Infektion war eine Begleiterkrankung, die dann den Organismus endgültig überfordert hat.


Infektionszahlen in den Statistiken

Die dargestellten und ständig berichteten Infektionszahlen sind nicht aussagefähig - jedenfalls nicht um sie einer breiten Masse, die sie nicht versteht und nicht einordnen kann, zu präsentieren. Vielleicht wäre es besser gewesen, beunruhigen Zahlen frei nach Thomas de Maizière („Ich möchte die Bevölkerung nicht beunruhigen“) nicht zu veröffentlichen.

In der medialen Aufbereitung geht weitgehend unter, dass es sich bei positiv getesteten Personen lediglich um solche handelt, bei denen Virusbruchstücke (noch nicht einmal das Virus selbst) nachgewiesen wurde (Grundlage ist der oben erwähnte PCR-Test). Positiv Getestete sind aber nicht zwingend erkrankt und sie erkranken auch nicht zwingend. Sie sind noch nicht einmal zwingend infiziert. Ob sie erkranken hängt von ihrer persönlichen Immunität und vom epidemiologischen Milieu ab.

Wobei ich dies einschränken muss: In D wurden bislang schwerpunktmässig Menschen getestet, die Symptome aufweisen, die auf Corona hinweisen könnten. Darüberhinaus wurden Tests vorzugsweise nur bei Personen mit einschlägigen Kontakten (und selbst da nicht wirklich durchgehend) vorgenommen. Diese einschränkende Vorgabe wurde geändert, wodurch die Fallzahlen allein aufgrund der Erhebungsmethode gestiegen sind.

Die Entwicklung der Fallzahlen ist ohnehin nur dann aussagekräftig, wenn diese fortlaufend ins Verhältnis zur Anzahl der jeweils durchgeführten Tests gesetzt werden. Das aber erfolgt nicht und das ist nach der Änderung der Zählweise auch nicht mehr möglich. Nach der neuen Zählweise können auch Patient als Corona-Fall eingeordnet werden, wenn der Abstrich gar nicht gemacht wurde. Es reicht aus, dass jemand als Corona-Infizierter gilt, wenn er lediglich einen Kontakt zu einem Infizierten hatte. Das ist schlichtweg unzulässig.

Auf der MS Diamond Princess wurden 100% der Betroffenen getestet, davon erkrankten "nur" 20%, dies bei nicht optimalen Bedingungen (Altersgruppe, Klimaanlage, Lebenssituation). Im realen Leben dürfte der Anteil der tatsächlich Erkrankten an den Getesteten deutlich niedriger liegen.

In den Statistiken werden nur getestete Personen erfasst. Da aber nur ein Teil der Bevölkerung getestet wird, spiegelt das nicht die tatsächliche Durchseuchung wieder, diese ist in Wirklichkeit weitaus höher, die infizierten wurden nur noch nicht identifiziert. Mehr Tests erfassen auch mehr Infizierte. Insofern ist das Steigen der Zahl an Infizierten kein negativer Fakt, sondern er zeigt nur, dass mehr Personen getestet wurden. Umgekehrt würden weniger Tests weniger Infizierte erfassen, die Fallzahlen würden also sinken. Deutlich wird das in China, wo die Fallzahlen deutlich gesenkt wurden, als die Tests zurückgefahren wurden. Oder sind Usbekistan, Bangladesh oder Russland in einer besseren Situation als wir? Nein, die testen halt nicht (oder nur sehr begrenzt), also haben sie auch weniger Fälle.

Da man nach und nach die Tests auf weitere Bevölkerungsteile ausdehnt, weist man auch bei immer mehr Personen eine Infektion (nicht Erkrankung!) nach. Dadurch entsteht v.a. in der Öffentlichkeit und in der medialen Darstellung ein verzerrtes Bild einer steigenden Infektionsrate. Tatsächlich waren die getesteten Personen aber schon vor dem Test infiziert und wurden durch den Test erst statistisch erfasst. Ein korrektes Bild würde nur möglich sein, wenn man die gesamte Bevölkerung in annähernd gleicher Zeit testen würde. Das ist aber schlichtweg nicht möglich.

Zur Bewertung des Voranschreitens der Pandemie ist die medial gehypte Infektionszahl ungeeignet. Würde man diese erfassen mit dem Ziel zu validen Daten zu kommen, hätte man zu Beginn der Pandemie flächendeckend und gleichzeitig testen müssen und dann diese flächendeckende Testung regelmäßig wiederholen müssen. Das ist aber nicht durchführbar. Und nur eine valide Gegenüberstellung von positiv und negativ Getesteten ist wirklich aussagefähig. Die fehlt aber in der veröffentlichten und ach so schön grafisch aufbereiteten Statistik.

Auch die in den Statistiken angegebene Zahl der Genesungen ist nicht richtig. Es sind tatsächlich nicht die von einer Corona-Grippe Genesenen, es sind lediglich jene positiv Getesteten, die bei einer wiederholten Testung negativ waren. Das heißt nicht, dass sie vorher an Corona-Grippe erkrankt waren - sie waren lediglich infiziert.

Was in der medialen Aufbereitung weitgehend fehlt, was aber viel wichtiger für eine Situationsbeurteilung ist, ist die Auflistung der tatsächlich Erkrankten. Das ist die wesentliche Zahl - und genau die fehlt fast in jedem Bericht. Die Zahl der positiv Getesteten hingegen repräsentiert lediglich, dass mehr Personen getestet wurden und hier mehr Infizierte (nicht Erkrankte) gefunden wurden. Das erklärt auch, warum die Rate der Verstorbenen von Land zu Land deutlich differiert: Wo viel getestet wird (z.B. In Süd-Korea) ist die Relation Verstorbene/Getestete deutlich günstiger.

Was in der statistischen Aufbereitung auch fehlt, ist die Herausrechnung der bereits wieder negativ getesteten Fälle.

Unter dem Strich: Die Datenlage ist schlichtweg katastrophal. Zudem werden Zahlen ohne jegliche Bezugsgröße in den Raum geworfen - das ist nicht nur irreführend, sondern auch wissenschaftlich unsauber.


Andere Epidemien/Pandemien

Zur Einordnung der Corona-Grippe gegenüber anderen pandemischen bzw. epidemischen Erkrankungen:

Influenza (Deutschland)

Die Influenza wies in der Saison 2017/2018 ca. 330.00 Erkrankte (nicht Infizierte!) auf. 25.000 Menschen verstarben (weltweit fast 1.000.000). Pro Tag dieser Grippesaison starben bis zu 280 Erkrankte, das waren an einzelnen Tagen 10% aller Sterbefälle. Auch hier wurde bereits ein deutlicher Teil der Patienten beatmet ohne dass die Versorgung zusammengebrochen ist.. Die tatsächliche Zahl der Influenza-Erkrankten dürfte übrigens weitaus höher liegen, denn einmal geht ein Teil der Erkrankten gar nicht zum Arzt, sondern legt sich einfach ins Bett und dann wird auch nur ein Teil der Fälle überhaupt von den Ärzten gemeldet. Bei Influenza gibt es kein Monitoring, das dem Vorgehen bei Corona auch nur annähernd gleich wäre.

Medial interessieren die Influenza-Zahlen regelmäßig eher nur am Rande. Es muss allerdings auch angemerkt werden, dass gegenüber der Influenza bei Corona-Grippe die hohe Rate an beatmungspflichtigen Patienten nicht von der Hand zu weisen ist. Die damit verbundene Dramatik lässt sich wunderbar medial vermarkten, verzerrt so das Bild deutlich und irritiert die Öffentlichkeit.

Zum weiteren vergleich: Die Spanische Grippe (Influenza A/H1N1) verlief zwischen 1918 und 1920 und trat in drei Wellen auf. Weltweit starben 50.000.000 Menschen. In Deutschland starben 600.000 Menschen. Auch hier traf es schwerpunktmäßig Ältere, Menschen mit bereits vorher durchgemachter Grippe brachten eine begrenzte Immunität gegen Influenza A/H1N1 mit.


Andere Infektionskrankheiten (weltweit)

Zu Vergleich einige wichtige pandemische Infektionskrankheiten, denen medial ebenfalls kaum ein Interesse zukommt:

  • Tuberkulose 3.500 Tote/Tag
  • Hepatitis B 2.500/Tag
  • Malaria 2.000/Tag

(Weltweite durchschnittliche Sterbefälle - nicht nur saisonal, sondern über lange Zeit)


Nosokomiale Infektionen und Medikamentennebenwirkungen

An Krankenhausinfektionen versterben in D pro Jahr 20.000-30.000 Patienten, an Medikamentennebenwirkungen versterben in D jährlich 15.000-20.000 Patienten. Oder anders: Jährlich versterben zwischen 35.000 und 50.000 Patienten an den Folgen einer medizinischen Behandlung. Auch hier interessiert die hohe Zahl an Todesopfern die Medien nur als Randthema und auch die politischen Entscheider handeln diesbezüglich kaum.


Normale Sterblichkeit in Deutschland

In Deutschland sterben täglich ca. 2.500 - 2.800 Menschen. Davon versterben allein ca. 60/Tag an einer "normalen" Pneumonie. Das sind auf die Wochen bezogen, in denen Corona in Deutschland präsent ist, 1500 - 2000 Menschen gegenüber derzeit 357 Verstorbenen, bei denen Corona vor oder nach dem Tod diagnostiziert wurde (d.h. nicht dass die Betroffenen auch wirklich an Corona gestorben sind - siehe oben).

Ich will das Corona-Problem damit nicht kleinreden. Jeder an oder mit Corona Verstorbene ist zu bedauern, aber ich will nur ein wenig die Relationen gerade rücken.

Übrigens sterben täglich ca. 10 Menschen in D an Selbstmord. Diese Rate steht wie auch Alkoholismus und Drogenerkrankungen in einem Zusammenhang mit sozioökonomischen Belastungen. Das, was wir derzeit veranstalten, wird sich genau hier auswirken.


Internationale Vergleichbarkeit der Zahlen

Eine internationale Vergleichbarkeit der Infektions- und Sterbezahlen ist nicht gegeben, da es über die unsichere Datenlage in den einzelnen Ländern hinaus keine verbindlichen länderübergreifenden Standards für die Datenerhebung gibt:

Italien und Spanien

Warum insbesondere Italien und nun wohl auch Spanien und Ostfrankreich mit derart hohen Sterberaten auffallen, ist unklar. Es könnten zumindest bei Italien verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:

Zuerst einmal muss man die Fallzahlen relativieren: Das Durch­schnitts­­alter der positiv getesteten Verstorbenen in Italien liegt derzeit bei circa 81 Jahren. 10% der Verstorbenen waren über 90 Jahre alt. Ob die nun tatsächlich alle an Corona gestorben sind und nicht doch an einer Primärerkrankung, muss bezweifelt werden. Mindestens ein großer Teil ist eben nicht an, sondern mit Corona als Begleitdiagnose gestorben. Lediglich bei weniger als 1% der Verstorbenen hat es sich um vorher gesunde Personen gehandelt.

Die hohe Umweltbelastung Norditalien (die Lombardei gilt als China Europas mit extrem viel Chemieindustrie und Luftschadstoffbelastung bei gleichzeitig eher laxen Umweltvorschriften), die Art und Weise des sozialen Zusammenlebens, die Überalterung der Gesellschaft (die Region gehört zu den Regionen mit den ältesten Menschen in Europa, unzureichende medizinische Versorgung (in Italien gibt es nur 6.000 Intensivbetten für 60.000.000 Einwohner). Abgesehen davon ist die medizinische Versorgungsqualität im europäischen Vergleich eher unterdurchschnittlich. Möglicherweise spielt in Italien auch die Art und Weise der Datenerhebung eine Rolle. Auffallend ist die Diskrepanz zwischen Norditalien und Süditalien, wo die medizinische Versorgung eigentlich noch einmal schlechter ist. In Italien gibt es in jeder Grippesaison zwischen 7.000 und 25.000 Grippetote, es findet nur keinen Eingang in die Medien - insofern stellt die aktuelle Corona-Epidemie keine Ausnahme dar.

Gleiches bzw. Vergleichbares trifft auf Spanien zu und wird auch auf Großbritannien zukommen - auch hier trifft die Pandemie auf ein völlig heruntergewirtschaftetes Gesundheitssystem.

Möglicherweise gab es in Italien die ersten Coronafälle bereits im Oktober 2019. In dieser Zeit gab es eine Grippewelle mit deutlich hoher Zahl an Pneumonien. Getestet wurde zu dieser Zeit nicht, daher ist dies nur eine Vermutung.


Medien

Medien brauchen Nachrichten. Gute Nachrichten liest keiner, also konzentriert man sich auf schlechte Nachrichten, je schlechter und dramatischer, desto besser. Und nichts ist besser für das Mediengeschäft als einen Hype in Gang zusetzen und weiter anzuheizen. Die Medien von etablierten Zeitungen und Fernsehsendern bis hin zu obskuren WhatsApp-Gruppen sind der Hauptverbreitungsweg des Panik-Virus.

Die Medien, insbesondere auch der öffentlich-rechtliche Bereich, haben hinsichtlich Corona komplett versagt. Statt vorsichtig und ohne Panikstimmung zu erzeugen zu informieren, statt zu hinterfragen und politische Entscheidungen wirklich (und nicht nur in Talkshows zu verwursteln) zur Diskussion zu stellen, befeuern sie die Panik, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. In dieser Situation ist die politische Führung, die ja selbst von Panik befallen ist, zu Entscheidungen gezwungen, die sie bei besonnenerem Vorgehen nicht getroffen hätten.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen enttäuscht im Besonderen. 3/4 der Nachrichteninhalte beschränken sich mittlerweile darauf zu schildern, was die Regierung alles toll gemacht hat - so etwas grenzt an den Verlautbarungsjournalismus totalitärer Systeme. Das Desaster in Moria ist da nur eine Randnotiz. Von den Privaten ist ohnehin nichts zu erwarten.

Ob die Regierung tatsächlich etwas toll gemacht hat, kann man unterschiedlich beurteilen. Tatsache ist, das die Politik seit Jahren auf Privatisierung und Ökonomisierung des Gesundheitswesens ausgerichtet ist und damit eine Situation geschaffen hat, bei der schon in Nicht-Krisenzeiten die Versorgung am Rande der Belastbarkeit ist.


Intensivmedizinische Therapie

Die Therapie von Grippefällen erfolgt symptomatisch. Schwerere Fälle werden intensivmedizinisch betreut, im Fall von Corona oft auch beatmungspflichtig. Diesen schweren Fällen steht man relativ hilflos gegenüber und versucht sich mit einer Kombination aus Immunsuppressiva, hochtoxischen Virusstatika, Antibiotika und Interferon. Inwieweit die Therapie selbst tödlich sein kann, ist nicht ganz klar. Da sie der Standard ist (was im Lancet oder im New England Journal steht, ist Gesetz in der Medizin), sind Ärzte aus haftungsrechtlichen Gründen gezwungen, so vorzugehen.


Grippeimpfung und Corona

Als relativ sicher gilt, dass Grippegeimpfte ein 30% höheres Risiko haben, mit dem Corona-Virus nicht nur infiziert zu werden, sondern daran auch tatsächlich zu erkranken.

Der Grund: Eine Viruserkrankung ist eine Milieu-Erkrankung. Wenn geimpft wird, verändert das das Milieu in dem sich die Viren bewegen: Eliminiere ich einen Virus, wird dessen Stelle umgehend durch andere, ähnliche und möglicherweise gefährlichere Viren besetzt.


Politische Handlungsdefizite

Hätte man die aktuelle Pandemie verhindern wollen, hätte man frühzeitig mit drastischen, aber zeitlich begrenzten Maßnahmen vorgehen müssen. Das wurde weder gesehen noch hätte zu diesem recht frühen Zeitpunkt eine politische Durchsetzbarkeit solcher Maßnahmen bestanden. Die Unmöglichkeit, solche Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt durchzusetzen, steht in krassem Widerspruch zur Vehemenz, mit der dann später in zunehmender allgemeiner Panik weitreichende Restriktionen durch breite Kreise der Bevölkerung eingefordert wurden und auch noch immer eingefordert werden. Irritierend ist dabei, wie die verunsicherte Bevölkerung nach einem starken Führer ruft, der es richten soll, abweichende Meinungen nicht einfordert und kritisches Hinterfragen missbilligt. Das bereits faschistoide Züge.

Die Politik hat es wider besseres Wissen versäumt, vorab geeignete Pandemiepläne zu entwickeln und entsprechende Ressourcen vorzuhalten. Nach einschlägigen Simulationen in 2013 ("Modi-SARS"), welche sogar 7.000.000 Tote innerhalb von drei Jahren allein in D für möglich hielt, wurde ebensowenig etwas unternommen wie nach einer WHO-Simulation im vergangenen Herbst ("CAPS"). Die Politik hat im Anschluss an diese Pandemie-Kriegsspiele ihre Hausaufgaben nicht ansatzweise gemacht. Im Gegenteil: Noch im letzten Jahr wollte man die Anzahl der Krankenhaus- und Intensivbetten deutlich zusammenschrumpfen.

Die aktuellen Entscheidungen gründen ausschließlich auf der Kompetenz von "Beratern", mindestens einen der Vertreter könnte man bei all seiner virologischen Kompetenz getrost auch als unfreiwilligen Lobbyisten bezeichnen, wollte man ihm Böses. Diese Berater sind schwerpunktmäßig Virologen und folgen ihrer eigenen Sichtweise und ihren eigenen Interessen. Es mangelt im ganzen Entscheidungsprozeß an ausgesprochenen Epidemiologen, es fehlen aber auch Angehörige der Pflegeberufe, Volkswirtschaftler, Psychologen oder Soziologen, die die gesellschaftlichen und sozioökonomischen Auswirkungen geplanter Maßnahmen vorab bewerten können. Darüberhinaus werden kritische Stimmen nicht gehört oder in den Diskurs einbezogen, im Gegenteil werden diese Stimmen umgehend dem Lager der Verschwörungstheoriker zugeordnet und damit mundtot gemacht. Wir fühlen uns im Krieg und da werden Kritiker ganz schnell als Deserteure gebrandmarkt.


Rechtsstaatliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen

Die gesundheitlichen Folgen der aktuellen Pandemie vorauszusehen, ist aufgrund der schlechten Datenlage mehr oder minder Kaffeesatzleserei. Die aktuellen Maßnahmen sind aber von einer solchen Tragweite, dass sie ohne solide Datenbasis nicht getroffen werden dürfen. Tatsächlich wird nun erheblicher gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Schaden angerichtet.

Die erlassenen Restriktionen erfolgten und erfolgen auch weiterhin zumindest in Teilen unter Aushebelung des Grundgesetzes. Das wird allein daran deutlich, dass nun im Nachgang die rechtliche Basis nachgebessert werden soll. Wie das angesichts der derzeitigen Beschlussunfähigkeit des Parlaments umsetzt werden soll, bleibt schleierhaft. Die Maßnahmen entbehren jeglicher Rechtsstaatlichkeit und werden mit Handlungsnotwendigkeit entschuldigt: Einschränkung der Bewegungsfreiheit, Verbot der Versammlungsfreiheit, Aussetzung des Asylrechts, Kommunikationsüberwachung, demnächst auch noch Zwangsbehandlung und optional langfristige Kasernierung oder zumindest Isolation ganzer Bevölkerungs- bzw. Altersgruppen. Solche Restriktionen haben die Tendenz zu bleiben. Das war bei den Notstandsgesetzen so, das war bei der RAF-Krise so und nach 9/11.

Der wirtschaftliche Schaden schon bei einem relativ befristeten Shutdown ist in einer neoliberal auf Kante genähten Ökonomie immens. Klein- und Mittelbetriebe werden trotz angedachter (und noch nicht wirklich umgesetzter) Maßnahmen reihenweise wegbrechen. Allein von der Hotel- und Gastronomiebranche sind rund 2.500.000 Arbeitskräfte abhängig, die nun zum größten Teil binnen kürzester Frist arbeitslos werden. Der Zusammenbruch des Mittelstandes wird dann zu einer weiteren Marktkonzentration führen, die Großen werden überleben und die Lücken besetzen. Der Zusammenbruch des Finanzsystems ist auch jetzt schon nur eine Frage der Zeit und niemand wird erklären können woher diese immensen Geldmengen, die nun mobilisiert wurden, herkommen und die vorher nicht im Ansatz für die Finanzierung wichtiger infrastruktureller Förderungen vorhanden waren.

Ein länger dauernder Shutdown, möglicherweise ein oder gar zwei Jahre, ist undenkbar. Eine Form von Wirtschaft, wie wir sie bis heute kennen, würde anschließend nicht mehr stattfinden, die Wirtschaft würde auf das Niveau des frühen Mittelalters zurückfallen. Wirtschaft ist aber der Motor, der uns das Leben, das wir haben möglich macht - für diese Erkenntnis muss man in keiner Weise den neoliberalen Blickwinkel bemühen.

Die Gesellschaft wird unter diesen Bedingungen auseinanderbrechen. Das zeigt sich jetzt schon an geschlossenen Grenzen, an Beschlagnahme von Schutzkleidung oder Beatmungsgeräten, wenn sie beim Transport durch Zwischenländer einfach mal abgegriffen werden, an nicht stattfindender Abstimmung der einzelnen Länder. Möglicherweise besiegelt die aktuelle politische Krise das Ende der EU. Innergesellschaftlich wird der Generationenkonflikt verstärkt. Hier Party feiernde junge Menschen, die sich von den Alten nichts vorschreiben lassen wollen und dort ernsthafte Tendenzen, alte Menschen unter dem Vorwand des Infektionsschutzes weggesperrt werden sollen. Der Generationenkonsens droht aufgekündigt zu werden.

Verschlimmert wird das Ganze durch Fehlentscheidungen regionaler Behörden, die beispielsweise zu Denunziation von sich vermeintlich fehlverhaltenden Mitbürgern auffordern. Die vor diesem Hintergrund eher harmlos erscheinenden Hamsterkäufe von Klopapier zeugen einmal vom Mißtrauen der Bevölkerung in die Politik bzw. Wirtschaft, andererseits sind sie Ausdruck unsozialen Verhaltens der hamsternden Personen selbst. Plünderungen, die bereits in Frankreich vorkamen, sind in D derzeit sicher noch undenkbar, aber es ist eine Frage der Zeit, wann das auch hier passieren wird. Hierzulande denunziert man lieber Autofahrer mit auswärtigem Kennzeichen oder rückkehrende Ski-Touristen als mögliche Keimschleudern und in Spanien bewirft man Krankenwagen mit Steinen.


Corona-Krise oder Krise des Gesundheitssystems?

Das Gesundheitssystem ist weltweit in neoliberalem Überschwang privatisiert und kaputt gespart worden. In D ist der Prozess noch nicht ganz so weit gediehen als anderswo, noch haben wir hierzulande neben Skandinavien und den Niederlanden das beste Gesundheitssystem weltweit, aber der Mangel ist auch hier jedem Insider ersichtlich. Seit Jahren weiß man davon und tut - nichts. Nun kommt eine flächendeckende Virusinfektion und bringt das kaputt gesparte Gesundheitssystem über den Rande der Belastbarkeit hinaus.

Im Grunde haben wir kein Pandemie-Problem, sondern ein Ressourcenproblem in der Gesundheitsversorgung. Und wir haben ein Panik-Problem, das unsere ohnehin schon ausgelutschten Ressourcen zusätzlich überfordert.


Fazit

Man kann sich trefflich darüber streiten, ob und wie man der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus Einhalt bieten will. Aber das, was derzeit sowohl in der Politik, in den Medien und in der Bevölkerung passiert, ist bar jeden Augenmaßes und ich frage mich, wie wir aus dieser Nummer wieder rauskommen wollen. Der Schaden ist schon jetzt immens - gesellschaftspolitisch, wirtschaftlich, sozial. Menschenleben retten wir damit nicht, im Gegenteil. Wir werden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen um das hinter uns zu lassen.

Natürlich ist es wichtig, sich die Hände zu waschen, anderen nicht ins Gesicht zu niesen und im Epidemiefall Abstand zu anderen zu halten. Social Distancing und basale Hygiene sind sicher nicht zu kritisieren. Aber das sind Grundregeln, die jeder anderen Grippe auch vorbeugen würden. Aber wenn mir auf einem Spaziergang (ja, ich gehe raus und das ist auch gut so) jemand begegnet, der dann angesichts meiner Person ängstlich ins Gebüsch springt und sich Mund und Nase zuhält, offenbart das nur, was wir derzeit anrichten.

Letztlich muss jeder selbst wissen, wie er die Situation einschätzt. Aber ein Rat: Lasst euch nicht dauerberieseln von diesem Thema. Das fördert nur eure Panik und wer in Panik gerät, kann nicht mehr vernünftig denken. Sucht euch Informationsquellen, die sich abseits der momentan leider versagenden Verlautbarungsmedien um Aufarbeitung bemühen - wobei es verdammt schwer ist, hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Vielleicht ist jetzt auch ein Zeitpunkt wieder vermehrt eine richtige, klassische und gute Zeitung (nein, nicht BILD) zu lesen - hier kommen die Nachrichten zeitversetzt, wenn sie bereits ein wenig "gereift" sind. Das hilft ungemein, etwas Abstand zu gewinnen.

Vielleicht lernen wir was für die Zukunft und denken darüber nach, ob das ganze nun verpulverte Geld nicht lieber in bessere Gesundheitsinfrastruktur gesteckt werden sollte. Aber dann ist ja wohl keines mehr da. Erste Kliniken bieten ihren Pflegekräften bereits Lohnkürzungen. Das kollektive Klatschen könnt ihr euch vor diesem Hintergrund gerne sparen.

Danke, ich bin raus.

Im Übrigen empfehle diesen Film aus der ARTE-Mediathek: Profiteure der Angst (leider nur noch auf YouTube zu finden).


Bildquelle: Pexels