Letzt war es wieder einmal soweit: Ein potentieller Kunde drohte mit einem Auftrag. Nichts großes, es ging wirklich nur um eine Art Webvisitenkarte. Ich habe den Aufwand kalkuliert und dem Kunden ein Angebot geschickt.

Zu dem Auftrag ist es nicht gekommen. Der Kunde hat geradezu entsetzt abgelehnt. „Über € 1000,00 für eine Miniwebseite...!?“ schimpfte er am Telefon. Maximal € 350,00, eher € 200,00 war er bereit zu zahlen und keinen Cent mehr.

Warum aber kann ein einzelnes solches Kleinstprojekt den vordergründig unverschämten Preis von mehr als satten € 1000,00 kosten? Kalkulieren wir das einmal:

Für die Arbeitsstunde setze ich zwischen € 60,00 und 85,00 an. Auf den ersten Blick erscheint das viel, aber Webdesign ist eine kreative Dienstleistung, bei der nicht nur gearbeitet wird, wenn ich meine Finger auf der Tastatur bewege um Code zu schreiben oder mit der Maus irgendwelche Elemente eines Webbaukastens hin- und herschiebe. Es ist über diese nachvollziehbaren Tätigkeiten hinaus vieles zu erledigen: Das fängt damit an, dass ich mir ein Konzept überlege. Ich muss das Material, das mir der Kunde liefert, aufarbeiten und eventuell nach verwendungsfähigen Inhalten recherchieren. Ich muss mein Layout immer und immer wieder überprüfen und dabei mitunter auch immer wieder mal von vorne anfangen, weil es nicht wie erwartet funktioniert. Ich muss den Server konfigurieren, ich muss dem Kunden irgendwelche Zugangsdaten aus der Nase ziehen und und und...

„Ja, aber: Mein Friseur bei BilligHair kriegt auch nur € 15,00 für einen Haarschnitt, der maximal 20 Minuten dauert“.

Stimmt. Macht in der Stunde dann € 45,00. Aber der Friseur arbeitet auch nur diese 20 Minuten. O.K., vielleicht auch 30 Minuten, wenn man das Zusammenfegen der Haare und das Kassieren dazu rechnet. Außerdem lässt er sich das arme Schwein bei BilligHair ausbeuten und hat keine Anstellung bei einem ‚richtigen‘ Friseur. Und selbständig ist er auch nicht.

Wenn du zu einem ‚richtigen‘ Friseur gehst, zahlst du für die 20 Minuten übrigens nicht € 15,00, sondern € 30,00 und mehr. Aber wer zu BilligHair geht, lässt seine Website möglicherweise auch von www.designenlassen.de oder www.my-hammer.de erstellen, um mal zwei der fragwürdigsten Portale in dieser Hinsicht zu nennen. Ehrlich gesagt: Damit konkurriere ich nicht und wer da hingehen will, soll es tun.

So sieht übrigens eine realistische Kalkulation für ein Kleinstprojekt, wie es der Kunde gebraucht hätte, aus:

  • Erstellung Grundkonzept Webseite (Schriften, Farben, Grundstruktur etc.): 2 h
  • Vorbereitung einer OnPage-/OnSite-Suchmaschinenoptimierung (Schlüsselbegriffe, Vorgaben für die Inhalte etc.): 2 h
  • Vorbereitung eines Seiten-Prototypen (inclusive Überprüfung auf den diversen Geräten): 3 h
  • Erstellung und Funktionsüberprüfung eines Prototyp für ein Kontaktformular: 1,5 h
  • Einarbeiten von bereits vorbereiteten Inhalten (vom Kunden bereit gestellt: 2 h
  • Serverkonfiguration und Fehlerbehebungen: 1,5 h


Macht zusammen 12 relativ knapp gerechnete Arbeitsstunden - und das klappt so nur, wenn Alles wirklich glatt läuft und auch die Inhalte komplett fertig aufbereitet vom Kunden angeliefert werden. 12 Arbeitsstunden bei einem Stundensatz von € 85,00 machen dann € 1020,00 - eine mehr als realistische Einschätzung des Arbeitsaufwandes. Hinzu kommen eventuell auch noch Kosten für einen Texter und einen ordentlichen Fotografen (ich kann nur raten, die Texte und Bilder nicht selbst zu erstellen - so etwas wird in aller Regel nur Mist).

In der Summe sicher gerade für einen frisch gebackenen Kleinunternehmer oder einen Freiberufler angesichts des äußerst knappen Budgets viel Geld.

Für mich ist es aber viel Arbeit. Und da ich mich weigere, aus Gründen der Kostenminimierung irgendwelchen Mist abzuliefern, ist es auch dann viel Arbeit, wenn diese in einem solchen Kleinauftrag steckt. Webseiten erstellen ist halt nun mal kein Plakate kleben im Internet.

Conclusio:

Eine Website steht als Marketinginstrument nicht nur für einen anfangenden Kleinbetrieb oder einen Freiberufler an erster Stelle. Kein anderes Marketinginstrument verspricht bei gleichem Aufwand einen auch nur annähernd gleichen Erfolg. Oder hast du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, was ein Flyer von der Gestaltung bis zum Print kostet und der dann doch nur eine sehr begrenzte Reichweite hat...?

Aber € 350,00 (oder gar € 200,00) ist auch für eine kleine Webvisitenkarten nicht machbar. Beim besten Willen nicht. 

Sorry.