Ein iMac war in die Jahre gekommen und allein aus steuerrechtlichen Gründen sollte er ersetzt werden. Seinen Dienst hätte er sicher noch ein paar Jahre erledigt, aber irgendwie muss man ja mit Investitionen seine Steuerlast minimieren.

Nachdem ich anfangs reichlich über die neuen MacBook Pro geschimpft habe - zu teuer, zu wenig Schnittstellen, proprietäre und nahezu unreparierbare Hardware - habe ich mich nun doch für den Kauf eines aktuellen MacBook Pro entschieden.

Gekauft habe ich ein 15"-Modell mit maximaler Prozessor-Ausstattung, mit der kleineren Grafikkarte und mit einer 1 TB SSD. Das ganze in Space Grey. Gleich mit dazu gekauft habe ich für den stationären Gebrauch einen Mehrfach-Hub mit USB-2/3-Schnittstellen, mit einem USB-3/Thunderbolt-Port und einem Ethernet-Port. Für unterwegs kaufte ich noch einen USB-3- auf USB-2-Adapter. Fehlt sicher noch ein SSD-Karten-Slot, aber das ist nicht so dringend, ich kann meine Bilder im Fall eines Falles auch drahtlos übertragen.

Gekauft habe ich auch einen LG 5K Ultrafine-Monitor, jenes von Apple höchstselbst empfohlene Modell, das nun wegen einiger Probleme vorerst wieder mal aus dem Verkehr gezogen wurde. Eine reichlich peinliche Angelegenheit, denn eigentlich gibt es nun keinen zum MacBook Pro passenden Monitor, der dessen Möglichkeiten voll ausschöpft. Apple hat hier einen klaren Fehler gemacht, als sie sich entschieden haben, sich aus dem Monitor-Geschäft (vorerst?) zurückzuziehen.

Der LG ist kein wirklicher Augenschmaus, sondern eine halbwegs hässliche Plastikkiste, die optisch nichts mit den alten Apple Displays gemeinsam hat. Er sieht aus wie die übliche Windows-Standard-Hardware und würde sicher eine gute Ergänzung für ein Thinkpad sein - aber nicht für ein Macbook Pro. Auf den technischen Eindruck komme ich noch zu sprechen.


Das MacBook Pro

Der erste Eindruck

Das MacBook selbst kommt in üblicher Verpackung - so wie man es von Apple gewohnt ist. Das Space Grey sieht gut aus, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich nicht doch lieber bei Silber hätte bleiben sollen. Egal, das ist nicht so wichtig.

Das MacBook ist dünner als die alten Modelle, aber ehrlich gesagt, fällt mir das nicht wirklich auf. Schon die alten MacBooks waren für meinen Geschmack dünn, die Air-Serie sowieso. Die Verarbeitungsqualität ist wie gewohnt und auch ansonsten ist das grundlegende Design beim alten geblieben. Bis auf den Leuchtapfel - der ist tatsächlich Vergangenheit. Wenn die reduzierte Gehäusedicke der Grund für den Wegfall bewährter Anschlüsse gewesen sein soll, kann ich dieser Argumentation nicht folgen. Mindestens den SSD-Karten-Port hätte man lassen können. Und zwei USB-2-Ports und ein Displayport wären auch nicht zu verachten gewesen.


Kein Clean Install für heute

Nach dem Anschließen einer Stromversorgung (USB-C-Kabel) startet beim ersten Aufklappen automatisch das Betriebssystem. Ich schließe via Hub die externe Festplatte mit dem TM-Backup an. Sicher, Clean Install wäre die sauberste Lösung, aber ich will mir die Arbeit sparen und kann das nachholen, sollte es tatsächlich Systemprobleme geben - also erst einmal TM-Backup.


TM-Migration mit Hürden

Vorher möchte das vorinstallierte Sierra auf den aktuellen Stand gebracht werden und schließlich möchte auch iTunes ein Update haben - zwei Vorgänge, die erstaunlich lange dauern. Wahrscheinlich sind die Apple-Server wieder mal überfordert. Hier zeigt sich wieder einmal, dass der Verzicht auf hardwarebasierte Installationsmethoden nicht immer die beste Lösung ist. Was hätte ich eigentlich gemacht, wenn ich im tiefen Niederbayern oder im wilden Osten leben würde, wo die Internetanbindung teilweise noch auf Modem-Niveau ist...?

Dann beginnt das Rückspielen des TM-Backups. Die Festplatte war an den iMac via Thunderbolt 2 angeschlossen. Da ich auf einen Kauf eines USB-C- auf Thunderbolt-2-Adapters verzichtet habe (den hätte ich nur einmal für das TM-Backup gebraucht), ist die Festplatte nun via USB-C-auf-USB-3-Adapter angeschlossen. Die Kopiervorgänge sind damit erstaunlich langsam, es braucht fast 7 Stunden bis die ca. 600 GB TM-Backup zurückgespielt sind. Das Problem war wohl, dass der Hub zwei USB-3 und zwei USB-2-Anschlüsse hat, die nicht gekennzeichnet sind. Und ich habe wahrscheinlich zielsicher den falschen erwischt...


Alles beim Alten? Definitiv nicht

O.K. - irgendwann ist das MacBook gebrauchsfähig, die Daten zurückgeholt und alles sieht auf den ersten Blick aus wie vorher.

Ach, Quatsch. Schon auf den ersten Blick fällt die unglaubliche Qualität des Displays auf. Eine hervorragende Darstellung auf dem Bildschirm, fast wie auf einem gestochen scharfen Foto. Stelle ich ein altes MacBook der Nicht-Retina-Ära daneben, denke ich, der Oldtimer ist kaputt. Allein dafür hat sich die Entscheidung für das neue MacBook Pro gelohnt.

Ein paar Probleme gibt es bei der ersten Nutzung des Systems: Die Mail-Accounts müssen neu angelegt werden, da das zurückgespielte System die Passwortabfrage nicht akzeptieren will. Das ist insofern kein Problem weil die Mail-Accounts ohnehin alle IMAP-Accounts sind und die Daten auf dem Server liegen.


Tastaturgeräusche

Was negativ auffällt, ist die Tastatur des MacBoks. Es ist ein anderes Schreiben und v.a. ist es ein lautes Schreiben. Ich bin ein Zweifinger-Suchsystem-Schreiber und hacke eher auf den Tasten herum. Dafür sind diese Tasten nicht gemacht und beantworten mein Gehacke mit deutlich hörbarem Klacken. Ich bin sicher, dass jemand, der ordentlich Maschineschreiben gelernt hat, dies gar nicht so empfinden wird, aber ich gehöre halt zu den unausgebildeten Hackern. Ansonsten kann ich gegenüber der Tastatur eines älteren MacBooks keine wirklichen Unterschiede entdecken, die sich in der Alltagspraxis bemerkbar machen würden.


Unnötig oder nötig...?

Womit ich nichts anfangen kann, ist die Touchbar. Sie war auch kein Kaufargument, ich hätte das MacBook auch ohne genommen, aber das 15er gibt es nur mit. In der Regel schaue ich nicht auf die Touchbar drauf und so können mir z.B. die Wortvorschläge beim Schreiben wurscht sein. Und ansonsten verstehe ich die Logik nicht, wann was erscheint. Und auf dem Desktop, wo das MacBook mit externem Monitor und externer Tastatur betrieben wird, ist die ganze Touchbar sowieso dahin.

Den Wegfall der von mir oft genutzten F-Tasten ist bedauerlich und der Weg, sie via fn-Taste zurückzuholen, ist unpraktisch. Nun gut, vielleicht gewöhne ich mich an das Getatsche und entdecke irgendeinen Nutzen der Touchbar.


Fingerabdrücke

Die Nutzung der Touch-ID ist sicher ein Fortschritt, aber ich finde das Konzept noch sehr lieblos und inkonsequent umgesetzt. Sicher, ich kann den Rechner damit aktivieren und ich kann z.B. auch 1Password damit nutzen. Aber in vielen Fällen, in denen ich es erwartet hätte, nützt mir mein Fingerabdruck überhaupt nix und ich muss wie gehabt ein Passwort eintippen. Da muss noch nachgebessert werden.


Was lange währt...

Die Akkulaufzeit ist erstaunlich. Nun gut, meine Anforderungen sind begrenzt - ich mache kein CAD und keinen Videoschnitt, das Meiste ist Bildbearbeitung, Webdesign, Textverarbeitung und Officezeugs. Damit läuft das MacBook gute 10 Stunden - das ist mehr als ausreichend.

Gleich installiert habe ich mir das Programm "Steckdose" von MoAPP. Das ersetzt die abgespeckte und uninformative Batterieanzeige, die uns Apple aufgenötigt hat und holt die alten Prozentangaben des Ladezustandes zurück.


Mieser, verbesserter Ton

Die Tonausgabe des MacBooks ist besser wie beim alten, aber beim alten MacBook war sie so schlecht, dass es nur besser werden konnte. Aber die Tonausgabe sollte beim MacBook nicht kaufentscheidend sein. Wer zuhause nach alter Väter Sitte eine ordentliche HiFi-Anlage stehen hat und dort gerne Vinyl hört, lacht sich über die Tonqualität des MacBooks eher kaputt. Der Ton ist hier allenfalls eine Notlösung, aber das war zu erwarten. Mehr ist technisch kaum drin und glücklicherweise gibt es ja noch einen Kopfhöreranschluss.


Der LG Monitor

Plastik. Plastik. Plastik.

Der LG Monitor ist eine hässliche Plastikkiste - ich sagte es bereits. Vielleicht nicht ganz so hässlich wie ein EIZO oder ein Blabla-Windows-Monitor, aber hässlich genug. Nun gut, es gibt keine Alternative.

Passend zum Plastikdesign ist die Verpackung - da ist man von Apple anderes gewohnt. Dröger Karton, darin Styropor und noch drögerer Karton. Irgendein Feeling will da beim Auspacken nicht aufkommen. Völlig unverständlich ist, dass dem Ding russische und türkische Unterlagen beiliegen - deutsch fehlt ebenso wie englisch. Nun gut, man braucht eigentlich keine Anleitung - es geht auch ohne.


It Just Works

Der Monitor ist einfach angeschlossen. Netzkabel rein, Thunderboltkabel-Verbindung zwischen MacBook und Monitor herstellen, in den Systemeinstellungen die beiden Monitore synchronisiert und es kann losgehen.


Labberkram

Was gar nicht geht, ist die lummelige Qualität, mit der die Kabel in den Monitor-Prost stecken. Das ist einfach nur Wackelpudding und macht den Eindruck als würden die Kabel irgendwann von alleine aus den Ports fallen.


Das Highlight

Das Display ist hingegen brillant und steht in nichts den Qualitäten des MacBook-Displays nach. Eine gestochen scharfe Darstellung mit einwandfreien Farben. Mehr geht (momentan) nicht. Da können die in die Jahre gekommenen und nun ohnehin nicht mehr angebotenen Apple Displays nicht mithalten.


Sonst noch

Der LG ist höhenverstellbar, lädt sich vor- und zurückneigen und auch in der Horizontalen anpassen. Leider hat er ein Glossy Display - bei mir insofern nicht störend, da ich keine Lichtquellen hinter mir habe, die Reflexe verursachen könnten.

Übrigens hat Apple das LG 5K Ultrafine genau am Tag, als meines geliefert wurde, wegen Qualitätsmängeln aus dem Store verbannt. Momentan gibt es also kein externes Display, das das Potential des MacBook Pro ausschöpft.


Adapteritis

Noch ein Wort zu den Adaptern: Der LG hat drei USB-C-Ports und kann damit als Hub dienen (solange die Stecker nicht aus den Ports fallen...). Alte Hardware muss man leider auch am Monitor mit einem Adapter verbinden. Wenigstens hier hätte ich mir ein paar alte Schnittstellen gewünscht. So aber muss ich meine TM-Festplatte mit Adapter anschließen, ja selbst meine externe Tastatur (ich nutze die große, kabelgebundene) für den stationären Betrieb muss per Adapter angeschlossen werden.

Mobil wird man wohl immer einen Adapter für USB-2 mitnehmen müssen, allein schon um mal einen USB-Stick anschließen zu können. Ansonsten kann man die diversen Adapter-Szenarios, die vielfach beschrieben wurden, sicher vergessen - in der Praxis wird das in den seltensten Fällen wirklich ein Problem werden.

Ein Netzteil braucht man im stationären Betrieb nicht, das MacBook wird über die Verbindung zum Monitor geladen. Damit relativiert sich auch die Klage über ein nicht beilegendes längeres Netzkabel, denn das würde ohnehin niemand unterwegs mitschleppen wollen.

Abgesehen davon ist die Akkunutzungszeit so reichlich, dass ich den Rechner morgens vom Monitor trennen kann, dann ohne jedes Netzkabel auf die Walz gehen kann um dann nachmittags oder abends das MacBook wieder mit dem Monitor verbinden zu können. Ich bin sicher, mein Netzteil wird weitgehend in der Schublade bleiben.


Conclusio

Das MacBook Pro ist ein schönes, perfekt verarbeitetes und sicher auch leistungsfähiges Gerät. Manche Dinge sind aber einfach nicht zu Ende gedacht und stoßen den Alltagsnutzer vor den Kopf - da ist Apple zu radikal. 

Was gar nicht geht, ist das unökonomische Konzept, das hinter der Verklebung von allem und jedem steht. Die Geräte werden damit nahezu unreparier- und erweiterbar - das schadet ganz klar der Nutzungsdauer.